Spätsommer = Durchfallzeit?

Spätsommer in der Chinesischen Medizin: Warum diese Jahreszeit deine Mitte fordert
Die Tage werden kürzer, die Hitze des Sommers weicht ersten kühlen Morgenstunden, und trotzdem liegt noch eine schwüle Wärme in der Luft. Viele Menschen bemerken genau jetzt, dass sie sich schlapper fühlen als sonst: Verdauungsprobleme, ein Gefühl von Schwere in Armen und Beinen, Konzentrationsschwäche oder sogar Magen-Darm-Infekte häufen sich auffällig. Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist das kein Zufall, sondern folgt einer klaren inneren Logik. In diesem Artikel erfährst du, warum der Spätsommer in der Chinesischen Medizin eine ganz eigene Jahreszeit ist, welche Beschwerden typischerweise auftreten und wie du deine Mitte in dieser Übergangszeit gezielt stärken kannst.
Der Spätsommer als fünfte Jahreszeit
Während die westliche Medizin in der Regel vier Jahreszeiten kennt, geht die Chinesische Medizin von fünf aus. Zwischen dem heißen Hochsommer und dem kühlen, trockenen Herbst schiebt sich der Spätsommer als eigenständige Phase ein – eine Übergangszeit, die etwa die letzten Augustwochen und den frühen September umfasst. Jede Jahreszeit ist in der Chinesischen Medizin einem der fünf Elemente zugeordnet, und der Spätsommer gehört zum Element Erde. Die Erde steht für die Mitte, für Stabilität, Nahrung und Verdauung – und ist eng mit den Organen Milz und Magen verbunden.
Die Milz übernimmt in der Chinesischen Medizin eine zentrale Aufgabe: Sie wandelt die Nahrung, die wir aufnehmen, in nutzbare Energie (Qi) und Blut um und verteilt diese Energie im ganzen Körper. Ist die Milz geschwächt, hat das spürbare Folgen – vom Verdauungssystem bis zur mentalen Klarheit.
Feuchtigkeit als klimatischer Faktor
Jeder Jahreszeit wird in der Chinesischen Medizin ein sogenannter klimatischer Faktor zugeordnet, der ihre Wirkung auf den Körper prägt: Der Frühling steht für Wind, der Sommer für Hitze, der Herbst für Trockenheit, der Winter für Kälte – und der Spätsommer für Feuchtigkeit. Die schwüle Wärme dieser Wochen, kombiniert mit dem Wechsel zwischen warmen Tagen und bereits kühleren Nächten, belastet besonders die Milz. Die Milz gilt in der Chinesischen Medizin als äußerst feuchtigkeitsempfindliches Organ: Zu viel äußere oder innere Feuchtigkeit bringt sie leicht aus dem Gleichgewicht.
Das erklärt, warum ausgerechnet jetzt so viele Menschen über ähnliche Beschwerden klagen – der Körper reagiert unmittelbar auf diesen jahreszeitlichen Einfluss.
Typische Beschwerden im Spätsommer
Aus Sicht der Chinesischen Medizin zeigen sich vor allem folgende Beschwerden, wenn die Mitte durch Feuchtigkeit belastet ist:
Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen oder eine allgemein träge Verdauung treten auf, weil die Milz die aufgenommene Nahrung nicht mehr effizient verarbeiten kann. Auch Übelkeit ist ein klassisches Zeichen: Kann die Milz die Feuchtigkeit nicht transformieren, staut sie sich, und das eigentlich abwärts gerichtete Magen-Qi "rebelliert" nach oben.
Müdigkeit und ein Gefühl von Schwere in Armen und Beinen entstehen, weil die Milz weniger Energie produziert und die überschüssige Feuchtigkeit den Körper zusätzlich "beschwert" – ein Gefühl, als würde man durch Watte gehen.
Konzentrationsschwäche und ein "vernebelter" Kopf hängen ebenfalls mit der geschwächten Mitte zusammen, da die Milz auch für die Versorgung des Geistes mit klarem Qi verantwortlich ist.
Grübeln und Gedankenkreisen gelten in der Chinesischen Medizin als die Emotion, die dem Erde-Element zugeordnet ist. Ist die Mitte im Ungleichgewicht, neigen viele Menschen in dieser Zeit vermehrt zu Sorgen und kreisenden Gedanken.
Häufigere Magen-Darm-Infekte lassen sich ebenfalls erklären: Eine geschwächte Milz bedeutet eine geschwächte Abwehrkraft im Verdauungstrakt. Das deckt sich übrigens auch mit der schulmedizinischen Beobachtung, dass Magen-Darm-Infekte im Spätsommer gehäuft auftreten – begünstigt durch verderbliche Lebensmittel bei Wärme und viel rohe, kalte Kost.
Wie du deine Mitte im Spätsommer stärken kannst
Die gute Nachricht: Mit ein paar gezielten Anpassungen lässt sich die Mitte in dieser Übergangszeit spürbar stabilisieren.
Auf der körperlichen Ebene hilft es, überwiegend warme und gekochte statt rohe und kalte Speisen zu essen. Suppen, Eintöpfe und gedünstetes Gemüse sind der rohen Salatschüssel oder dem Eiskaffee gerade jetzt vorzuziehen. Besonders empfehlenswert sind milde, natürlich süße Lebensmittel, die die Milz stärken, ohne zusätzliche Feuchtigkeit zu erzeugen: Kürbis, Karotte, Hirse, Süßkartoffel, Gerste oder klare Brühen zählen in der TCM zu den klassischen Nahrungsmitteln für die Mitte. Auf sehr süße, feuchtigkeitsbildende Lebensmittel wie Trockenfrüchte, z. B. Datteln, solltest du in dieser Zeit dagegen eher verzichten, da sie die ohnehin schon belastete Feuchtigkeit im Körper noch verstärken können. Feste Essenszeiten und langsames, bewusstes Kauen unterstützen die Verdauungsarbeit zusätzlich, ebenso wie eine kurze Bewegungseinheit nach dem Essen, etwa ein Spaziergang.
Auf der mentalen Ebene lohnt es sich, dem Grübeln bewusst entgegenzuwirken. Da Sorge die Emotion der Erde-Phase ist, kann es helfen, täglich eine Sorge bewusst loszulassen – sei es durch das Aufschreiben belastender Gedanken am Abend oder durch eine kurze Alltagspause ganz ohne Ablenkung. Auch bewusstes, ruhiges Atmen (mit einer Ausatmung, die deutlich länger ist als die Einatmung) wirkt beruhigend auf das Nervensystem und unterstützt indirekt die Mitte.
Fazit
Der Spätsommer ist in der Chinesischen Medizin weit mehr als nur eine unscheinbare Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst. Als eigene, dem Element Erde zugeordnete Jahreszeit stellt er besondere Anforderungen an Milz und Magen – und damit an unsere körperliche und mentale Mitte. Wer die typischen Beschwerden dieser Zeit versteht, kann gezielt gegensteuern: mit wärmender, milder Ernährung, bewusster Bewegung und einem achtsamen Umgang mit Sorgen und Gedankenkreisen.
Falls du merkst, dass dich Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit oder ein "vernebelter" Kopf gerade besonders begleiten, und du wissen möchtest, was dir individuell helfen kann, unterstütze ich dich gerne dabei, deine Mitte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Vereinbare einfach einen Termin in meiner Praxis.




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